Das Internet, das mobile und das soziale Web entwickeln sich mit einer Geschwindigkeit weiter, die es schwer macht, den Anschluss nicht zu verpassen - was vor zwei Jahren als heiß galt, ist mittlerweile völlig irrelevant geworden, zwei Jahre alte Studien und Zahlen völlig wertlos. Um so wichtiger sind Bestandsaufnahmen, die immer mal wieder den gegenwärtigen Stand der Dinge analysieren. Ulrike Langer tut dies in exzellenter Weise.
- Hartmut Ulrich
"Es kristallisieren sich zwei Klassen von sozialen Netzwerken heraus: Auf private Interaktion zwischen Bekannte spezialisierte Netzwerke und solche, welche hauptsächlich für die Distribution von Inhalten verwendet werden."
- Hartmut Ulrich
Sebastian Küpers spricht es aus: Social Media ist im Grunde genommen der falsche Begriff. Besondere Leseempfehlung für die "Ich mach was mit Medien"-Profis unter uns. Sollten Sie sich beim Gedanken ertappt haben "Ich wusste ja die ganze Zeit, dass dieser ganze Social-Dings-Grütz pure Zeitverschwendung ist", dann gilt die Leseempfehlung agnz besonders.
- Hartmut Ulrich
Mancher wird niemals Mensch, bleibt Frosch, bleibt Eidechse, bleibt Ameise. Mancher ist oben Mensch und unten Fisch. Aber jeder ist ein Wurf der Natur nach dem Menschen hin. Und allen sind die Herkünfte gemeinsam, die Mütter, wir alle kommen aus demselben Schlunde; aber jeder strebt, ein Versuch und Wurf aus den Tiefen, seinem eigenen Ziel zu. Wir können einander verstehen; aber deuten kann jeder nur sich selbst.
- Hartmut Ulrich
Miriam Meckel auf NZZ online über die Seelenlosigkeit der Vermarktungsworthülse "Content", über das Wesen des Remix und den den Respekt vor echtem Inhalt und journalistischer Leistung.
- Hartmut Ulrich
Kathrin Passig setzt sich ausführlich mit der Problematik des Filterns und der Auswahl auseinander - auf der Basis von Algorithmen bzw. Wahrscheinlichkeiten ebenso wie auf der Basis von sozialen Auslösern. Die beiden Seiten der Medaille sind zu genaue und zu ungenaue Ergebnisse: Sind Suchergebnisse oder Empfehlungsssysteme zu genau auf einen Nutzertyp zugeschnitten, verhindern sie das Entdecken von Neuem - fallen sie zu ungenau aus, führen sie zu unüberschaubaren bzw. irrelevanten Ergebnissen.
- Hartmut Ulrich
"Wie gehabt agieren das Kapital und seine Kritik nicht im selben Medium: Das Kapital liest und schreibt Keywords, seine Kritik produziert Sprache. Und wie gehabt ist das ein Grund zur Klage, aber keiner zur Verzweiflung: Niemand stört uns, hier am Rand, wir sind erkannt als ungefährlich, viel mehr: als nützliche Lieferanten von Diversität. Wir dürfen gerne Ästheten sein, die Geschichte allerdings findet ohne uns statt. Sie wälzt sich weiter, wieder, unbewusst dahin, auch in unserer neuen digitalen Lebensform. Einen bürgerlichen Menschen, einen Menschen also, dessen Ideen geschichtswirksam wären, einen Bourgeois oder Sozialisten, wird es auch im Netz nicht mehr geben. Wir kämpfen nicht mehr für die Menschheit, sondern weiter ums Überleben der uns einenden und an die Ränder drängenden Sache: Des Bewusstseins, also: Der Fähigkeit, wahrzunehmen, was wir nicht brauchen."
- Hartmut Ulrich
via vimeo.com Zum Tag der Arbeit ein schön gemachtes und inspirierendes Video auf vimeo. via Ulrike Langer, Jörg Marx und Leander Wattig. ...
- Hartmut Ulrich
Wenn die Dinge nicht als Revolution über Nacht alles verändern, dann neigt der Mensch dazu, Zeiträume von auch nur einigen Jahren vollkommen falsch wahrzunehmen und zu bewerten. Innerhalb weniger Jahren haben Plattformen und Dienste wie Google, Wikipedia, YouToube, Facebook oder Twitter nicht nur das digitale Leben beeinflusst: Fast scheint es, als seien sie schon immer da gewesen und nicht erst allesamt in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Eine Bestandsaufnahme von Jöran Muuß Merholz über das Internet und die Erkenntnis, dass die letzten zehn Jahre so viel verändert haben, dass man kein Prophet sein muss um zu orakeln, dass die kommenden 50 Jahre die Menschheit stärker verändern werden als die vergangenen 500.
- Hartmut Ulrich
"Das grenzenlose Internet ist begrenzt auf das Internet. Nach den Kriegen um Boden, den Kriegen um Ressourcen, kommen die Kriege um Informationen. Der freie Markt im Netz setzt auf starke Monopole. Journalisten schreiben ebenso viel über Journalisten, wie Blogs über Blogs. Und beide schreiben übereinander. Blogs glauben, Journalisten verpassen den Anschluss, Journalisten glauben, Blogs hätten ihn noch nie gehabt. Wenn ich heute keine Spur von einem gesuchten Menschen im Netz finde, halte ich ihn für tot. Wenn jemand nach Spuren von mir Netz sucht, hält er mich für wahnsinnig. Wir glauben, das private ist politisch und unterstellen, das öffentliche ist privat."
- Hartmut Ulrich
"Wir schreiben zu viel, wir haben zu wenig Zeit zum Nachdenken, und das hängt bei vielen mit den sinkenden Honoraren und mit dem Internet zusammen, das wir bedienen müssen, ohne davon leben zu können. Deshalb sollte ich jetzt vielleicht einfach die Klappe halten."
- Hartmut Ulrich
Micropayment-System, mit dem man als Leser kleine anerkennende Beträge spenden kann, beispielsweise an Blogautoren. Noch Beta. Beginn eines neuen Geschäftsmodells für Texte?
- Hartmut Ulrich
"Schon im Jahr 1930 beschreibt Sigmund Freud die Situation wie folgt: Der Mensch als Prothesen-Gott vergrößert sich selbst durch von ihm geschaffene Werkzeuge. Freud findet dafür eine Überschrift, die auch heute als Zusammenfassung des gesamten „Oh Gott, was kommt da durch die neuen Medien auf uns zu“-Diskurses funktioniert: „Das Unbehagen in der Kultur.“" Diese Bereitschaft entspricht im Kern der Veränderung, die die Kommunikationsbranche derzeit erlebt. Es ist eine Befreiung der Kreativität aus der Herrschaft der „Kreativen“. "Wer sich selbst als Kreativer zurücknimmt und so den Blick öffnet für die Kreativität der anderen, der Menschen, der Verbraucher und Vernetzer, wird zu einem besseren Gestalter." „If everybody is an artist, you better own the gallery“. Interessanter Aufsatz von Marc Schwieger, bis vor kurzem International CD bei Scholz & Friends, seit kurzem Chef seiner eigenen Agentur. Text beginnt etwas bemüht, wird nach hinten aber immer besser.
- Hartmut Ulrich
"Wie aber sollen künftig politische Diskurse in der bürgerlichen Öffentlichkeit organisiert werden, wenn einerseits die klassischen Medien mit Mut- und Fantasielosigkeit ihre Selbstzerstörung betreiben und zugleich andererseits der Trend zum social cocooning die politischen und sozialen Räume in wenige per RRS-Feed vernetzte Echokammern auf der eigenen Favoritenliste eingrenzt und eine (Re-) Flexion nicht mehr zulässt?" Interessante Bestandsaufnahme von Thomas Huber, Geschäftsführer der Berliner Unternehmensberatung semanticom, zum gegenwärtigen Ringen zwischen den Gatekeepern der alten Hochkultur und den nachstrebenden jungen Kräften, vor allem mobilisiert durch und über das Internet.
- Hartmut Ulrich
Eva Maria Schnurr hat an ihrer lesenwerten Auseinandersetzung mit dem Zustand des Journalismus 16 Stunden gearbeitet - und dafür ein Honorar von 125 Euro erhalten. Nachzulesen steht das als Zusatzinformation direkt beim Online-Artikel, und diese Geste der Offenheit ergänzt den Beitrag um eine Facette, die genauso wertvoll ist wie der Beitrag selbst: Solcher Journalismus existiert nicht mehr auf der Grundlage eines Geschäftsmodells, sondern als inneres Bedürfnis, als Engagement. Gut einerseits, dass es dieses Bedürfnis gibt. Respektabel, ehrenwert. Aber was bedeutet das, wenn Journalismus sich auf dem Weg zu einem ähnlichen Status befindet wie Kunst (nur wenige können davon leben, alle andere tun es aus innerem Bedürfnis)? Gilt dann auch für den Journalismus das geflügelte Zitat von Joseph Beuys "jeder ist ein Künstler"?
- Hartmut Ulrich
Aha. Das ist also die neue Art der Produkt-PR: Etwas aussehen lassen wie ein Versehen. Komisch, warum mag ich Apple nicht so recht glauben, es sei wirklich ein echtes Versehen gewesen?
- Hartmut Ulrich
"Es gibt ein Neues Deutschland. Und dieses findet abseits der offiziellen Politik statt." Schöne Nachbetrachtung zur re:pblica von Nikolaus Huss.
- Hartmut Ulrich
"Und dennoch ist ihr Protest gegen das Flugverbot ein Meilenstein in der soeben erst beginnenden Technologiekritik des digitalen Zeitalters, ein Kapitel in der Geschichte der systematischen Selbstentmächtigung der modernen Gesellschaft durch Modelle." Frank Schirrmacher nimmt die Kritik am Flugverbot anlässlich der isländischen Aschewolke zum Anlass, um nach Fakten zu suchen, die die Thesen seines Buchs "Payback" belegen - dass wir mehr und mehr zu Maschinensklaven mutieren, des eigenen Denkens nicht mehr fähig. Über die Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten dessen, was man landläufig "gesunden Menschenverstand" nennt, wird noch häufiger zu diskutieren sein. Vor allem wenn es darum geht, prinzipiell Unentscheidbares dennoch richtig zu entscheiden. Schirrmachers Fazit ist allemal richtig: Das Denken muss Denken bleiben, es braucht "Instanzen des Einspruchs" gegen die Allmacht der Algorithmen. Und die gibt es in der Tat noch nicht ausreichend.
- Hartmut Ulrich
Richard Gutjahr hat das iPad nun gut zwei Wochen im Test. In einer unterhaltsamen Klickstrecke bringt er auf seinem G!-Blog von A bis Z auf den Punkt, was es mit dem Wunderkind auf sich hat. Gestern Abend hatte ich selbst die Gelegeneheit, eins mal für ein paar Stunden auszuprobieren und kann sagen: Stimmt genau so. Nur beim WLAN widerspreche ich Richard: Das klappt noch nicht sauber, nicht mit dieser Gerätegeneration, mit dem gleichen WLAN und dem iPhone hingegen reibungslos.
- Hartmut Ulrich
Bei der Diskussion um das Netz kollidieren unterschiedliche Wertvorstellungen, und die Differenzen sind von allen Beteiligten nur unzureichend reflektiert. Es findet eine Machtverschiebung statt, vom Anbieter auf den Nachfrager, ganz gleich ob es sich dabei um politische, ökonomische oder um reine Kommunikationsbeziehungen handelt. Der kulturelle Wandel ist durch nichts aufzuhalten - er wird lediglich oft falsch bewertet und gewichtet, weil er erst am Anfang steht. Was es braucht, ist nichts weiter als - Geduld. Schlüsselvortrag von Peter Kruse auf der re:pulica.
- Hartmut Ulrich
"WIR SOLLTEN sie alle einladen in diesen neuen Weltteil, der vielen von uns so wichtig ist. Wenn wir wollen, dass alle Menschen etwas vom technologischen Fortschritt haben, brauchen wir Brückentechnologien. Das heißt, Technologien, die nicht nur die Early Adopters und die technologisch Versierten ansprechen, sondern auch den Rest der Menschheit. Wobei dieser Rest nicht wirklich ein Rest ist. Es sind etwa 90 Prozent der Bewohner dieses Planeten." Peter Glaser hat seinen Vortrag von der Eröffnung der re:publica auf seinem Blog Glaserei online gestellt. Eine inspirierende Bestandsaufnahme über den Zustand des Lebens im Netz - auf dem achten Kontinent.
- Hartmut Ulrich
Der Medienberater und Blogger Daniel Florian beobachtet die Auseinandersetzung zwischen gegensätzlichen Lagern, die er "Bürger" und "Nerds" nennt. Bürger, das sind die geisteswissenschaftlich orientierten, vom Geist der Aufklärung Geprägten, während Nerds naturwissenschaftlich denken - ihnen sind Daten wichtiger als Werte. Seine These: Beide Parteien hätten eine Menge beizutragen zum aktuellen Wandel der Kommunikationskultur und einem sich verändernden Demokratieverständnis, kommen aber über gegenseitige Anfeindungen nicht hinaus, weil die jeweiligen Weltbilder einfach zu verschieden sind.
- Hartmut Ulrich
Ist das Internet ein Werkzeug der Freiheit oder der Unterdrückung? Beides ist möglich, denkbar - beides zugleich. Und damit kommen all die alten Fragen ein weiteres Mal auf: was Freiheit wert sein muss, wo Unfreiheit beginnt, ob die euphorischen Utopisten nicht zu blauäugig sind, ob das Werkzeug der Freiheit letzten Endes ein Werkzeug der Überwachung und Unterdrückung zu werden droht. Der Beitrag ist ein Interview, das die F.A.Z. nach eigenem Bekunden gemeinsam mit dem Wissenschaftsblog edge.org geführt hat - Clay Shirky vertritt dabei die Seite der Optimisten, Evgeny Morozov die der Internet-Skeptiker. Lesenswert - in Summe aber doch ein bisschen enttäuschend, weil es ähnlich einer Talkshow zwar zu einem Austausch von Argumenten kommt, nicht jedoch zu einem Ansatz, an dem entlang sich konstruktiv weiterdenken ließe.
- Hartmut Ulrich
Gesellschaftliche Konflikte werden in Parteiensysteme übersetzt. Die Hauptaufgabe der Parteien ist, die Integration von gegensätzlichen Weltanschauungen in einen gemeinsamen Staat zu leisten. Auch wenn nicht jede Einzelmeinung repräsentiert wird, gibt es in der modernen Massendemokratie für jeden Wähler ein Angebot der mittelbaren Meinungsäußerung durch eine politische Gruppierung. Wo allerdings eine Schwelle der Übereinstimmung mit den Inhalten der Parteien so weit unterschritten wird, dass selbst das kleinste Übel nicht mehr als wählbare Alternative wahrgenommen wird, entsteht ein Vakuum der politischen Teilhabe. Deswegen fühlen sich viele Menschen heute von keiner Partei des etablierten Spektrums vertreten.
- Hartmut Ulrich
Die Auseinandersetzung mit auseinanderdriftender bzw. rein subjektiver Wahrnehmung von Realität beschäftigt beinahe zeitgleich die http://www.zeit.de/2010... Zeit und die F.A.Z. Neben allen Diskussionen, die derzeit wesentlich erscheinen (das sich wandelnde Demokratieverständnis und die Wahrnehmung von Freiheit, der Kulturwandel) ist die Diskussion um die Wahrnehmung der Wirklichkeit wohl die wichtigste von allen. Aber leider auch diejenige, die sich am unmöglichsten führen lässt: Es gibt schlicht keinen festen Punkt, mit dem sich "die Welt aus den Angeln heben", mit dem sich die Dinge allgemeingültig auf den Punkt bringen ließen. Das Stück ist mir allerdings ein bisschen zu sehr auf die Anwendung von Twitter beschränkt, es geht mir zu wenig darauf ein, was die Konsequenzen sind - oh Verzeihung, ich habe ja auch ein ganz andere Wahrnehmung der Realität als mspro...
- Hartmut Ulrich
"Der global vernetzte Zuschauer des frühen 21.Jahrhunderts hat seinen Instinkt für die Realität verloren. Seine eigene Urteilskraft reicht nicht mehr aus, um zu unterscheiden, wo der Theaterdonner aufhört und die wirkliche Bedrohung anfängt. Auch die Medien helfen ihm nicht, wenn es darum geht, Sinne und Verstand zu schärfen. Nervös gelähmt starrt der Zuschauer auf die politischen Akteure und Aktricen, die ebenso nervös gelähmt agieren. Auch sie scheinen nicht mehr fest im Sattel der Wirklichkeit zu sitzen." - Ein kluges Stück auf ZEIT online. Fragt sich nur: Was ist die richtige Antwort?
- Hartmut Ulrich
Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz hat sich über die Jahre einen soliden Ruf als Provokateur erarbeitet, der um der prägnanten Botschaft willen lieber polarisiert als vermittelt. Im Interview mit Juliane Gille spricht er über den Begriff der Privatsphäre in Zeiten des Internet und darüber, dass das Interesse an Freiheit in Deutschland immer ein bisschen weniger wichtig gewesen sei als das Interesse an Sicherheit und Wohlfahrt: "Die große Frage der Zukunft ist aber die nach der Zukunft unseres Begriffs von Freiheit, Liberalität und Individualität unter den neuen Medienbedingungen." Für die Zukunft sieht Bolz zwei Lager - das der aktiven Gestalter des Internets, die Bolz "Programmierer" nennt (was aus meiner Sicht zu kurz gegriffen ist, weil auf reine Technikkompetenz beschränkt) und jenes der Konsumenten, denen das Know-how und die Technik fehlt, um an den Gestaltungsprozessen beim Verschmelzen von virtueller und realer Welt aktiv mitwirken zu können.
- Hartmut Ulrich
Eine schöne Definition für das zufällige Auffinden von Dingen, die man nicht gesucht hat, die aber dennoch Bedeutung haben. von Jeff Jarvis's Blog Buzz Machine.
- Hartmut Ulrich